Versicherungssumme und Progressionsstufe

Die Höhe der Versicherungssumme ist sozusagen die Basis einer Unfallversicherung im Leistungsfall. Die Progression entscheidet, welche überproportionale Steigerungen der Versicherungssumme  mit zunehmendem Invaliditätsgrad vertraglich geregelt sind. Daher ist die richtige Auswahl beider Faktoren unabhängig von Anbieterwahl und möglichen Zusatzleistungen entscheidend für den Ernstfall.

Das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) hat eine „Standardisierte Finanzanalyse für den Privathaushalt" ausgearbeitet. Hierin wird für die Unfallversicherung folgende Mindestabsicherung empfohlen:

  • 25.000 Euro bei 25 Prozent Invalidität
  • 50.000 Euro bei 50 Prozent Invalidität
  • 500.000 Euro bei Vollinvalidität

Gemäß dieser Empfehlung ergibt sich eine Mindestversicherungssumme von 100.000 Euro in Kombination mit einer 500 prozentigen Progression. Diese Mindestabsicherung sehen auch wir als vernünftig an, um die finanzielle Folgen bei einer Invalidität in Folge eines Unfalls aufzufangen.

Je nach Einkommen und Lebensstandard sollte die Versicherungssumme ggf. noch höher angesetzt werden. Allerdings sollte eine Unfallversicherung nicht als alleiniges Instrument zur Absicherung der Arbeitskraft abgeschlossen werden. Denn Unfälle sind nur selten die Ursache für den Verlust der Arbeitskraft. Um dieses Risiko adäquat abzusichern, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung unerlässlich. Man sollte sich hierbei keinesfalls allein auf eine Unfallversicherung verlassen. Unter Umständen kommen noch andere Alternativen wie eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Absicherung gegen schwere Krankheiten als Vorsorge für den Verlust der Arbeitskraft in Frage.

Zusätzliche Leistungen

Neben der Versicherungssumme und der Progression gibt es noch weitere Faktoren, die beim Vergleich von Unfallversicherungen ins Gewicht fallen. Die prozentualen Angaben auf der Gliedertaxe ist so ein Faktor. Denn oft werden die Prozente für Gliedmaßen oder Sinnesorgane unterschiedlich hoch bemessen, was im Leistungsfall natürlich zu unterschiedlich hohen Zahlungen führen würde. Daher sollte man darauf achten, dass die Gliedertaxe möglichst hoch ausfällt.

Auch die Definition des Unfallbegriffs kann bei verschiedenen Anbietern unterschiedlich ausfallen. Unterschiede gibt es beispielsweise bei

  • Erfrierungen
  • Impfschäden
  • Lebensmittelvergiftungen
  • Tauchtypische Gesundheitsschäden
  • Unfällen aufgrund von Übermüdungen, Erschrecken oder Schlafwandeln
  • Unfälle infolge von Bewusstseinsstörungen durch Alkohol oder Medikamente
  • Zeckenbissen
  • etc.

Je weiter der Unfallbegriff gefasst ist, desto mehr Fälle sind in der Praxis versichert und desto besser ist der Umfang der Absicherung. Aufschluss darüber, wie der Unfallbegriff definiert ist und welche Umstände in welchem Umfang als Unfall gelten, geben die Versicherungsbedingungen.

Auch Zusatzleistungen wirken sich auf den Umfang der Versicherungsleistung aus. Typische Zusatzleistungen sind

  • Beitragsbefreiung bei Arbeitslosigkeit
  • Bergungskosten
  • Kosmetische Operationen
  • Kosten für den Rücktransport
  • Kosten für Umschulungsmaßnahmen
  • Kur-/ Rehatagegeld
  • etc.

Solche Zusatzleistungen sind ebenfalls Faktoren, die möglicherweise einen geringen Mehrbeitrag bei entsprechenden hochwertigeren Zusatzleistungen rechtfertigen können. Kurz gesagt: Das Gesamtpaket aus Preis und Leistung muss passen!

Der Preis

Stehen die Eckdaten für eine Absicherung fest, kann man sich am Markt nach einer passenden Absicherung vor dem Hintergrund von Preis und Leistung umsehen. Teilweise kommt es hier zu gravierenden Prämienunterschieden. Neben der reinen Risikoprämie spielen auch die Verwaltungskosten einer Gesellschaft eine Rolle. Denn auch diese schlagen sich im Versicherungsbeitrag nieder. Ein objektiver Marktvergleich zeigt die günstigsten Anbieter für die gewünschten Leistungen auf.

Um darüber hinaus Beiträge einzusparen sollte man auf eine jährliche Zahlung der Beiträge achten. Wählt man ein anderes Zahlungsintervall, zum Beispiel monatlich oder vierteljährig, kommt es häufig zu Aufschlägen im einstelligen Prozentbereich. Diese Aufschläge kann man durch die Zahlung von Jahresprämien umgehen.

Regulierung im Schadensfall

Eine günstige Versicherungsprämie ist das eine, eine problemlose Schadensregulierung im Ernstfall das andere. Zum Glück ist der Leistungsfall bei der Unfallversicherung in der Regel relativ eindeutig. Die Gliedertaxe gibt vor, welcher Invaliditätsgrad bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit von Gliedmaßen oder Sinnesorganen gegeben ist. Bei einem Teilverlust oder teilweiser Funktionsbeeinträchtigung bemisst sich die Höhe der Leistung an dem prozentualen Anteil der Beeinträchtigung. Beurteilt wird dies von einem medizinischen Gutachten, welches von der Versicherungsgesellschaft eingeholt wird. Und genau hier kann es zu Streitfällen kommen, sofern die Meinungen auseinandergehen.

Im Vorfeld hilft ein Blick auf die Prozessquoten der jeweiligen Versicherer. Welche Gesellschaft streitet sich wie oft mit seinen Kunden vor Gericht? Und wo kann man sich offensichtlich mit einer Gesellschaft einigen, ohne ein Gericht zu bemühen? Diese Quote sollte bei der Auswahl eines geeigneten Anbieters unbedingt berücksichtigt werden.

Überprüfung älterer Policen

Der Preiswettbewerb um neue Kunden verschärft sich seit Jahren. Dies führt dazu, dass die Versicherungsprämien tendenziell günstiger werden. Erfahrungsgemäß bleiben abgeschlossene Verträge aber jahrelang im Versicherungsordner – schließlich ist man ja abgesichert.

Auch eine Anpassung der Versicherungssumme bleibt in der Praxis leider oft die Ausnahme. Durch veränderte Lebensumstände, z. B. Hochzeit, Nachwuchs oder die eigene Immobilie, steigt häufig der Versicherungsbedarf an. Und auch die empfohlene Mindestversicherungssumme erhöht sich im Laufe der Jahre. Eine Aktualisierung älterer Policen ist daher fast immer zu empfehlen.

Zudem kritisieren vor allem Verbraucherschützer häufig bestimmte kundenunfreundliche Formulierungen n den Versicherungsbedingungen. Einige Anbieter reagieren auf diese Hinweise und ändern ihr Bedingungswerk zu Gunsten der Kunden. Diese kundenfreundlicheren Bedingungen gelten aber nur für Neukunden, auch daher könnte die Überprüfung älterer Policen auch aus diesem Grund sinnvoll sein.