Die Bedeutung der privaten Rentenversicherung

Selbst für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit vorzusorgen ist das weltweit geltende Urprinzip der Altersvorsorge. Dies wurde in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert und wird an vielen Orten der Welt auch heute noch innerhalb der Familien gehandhabt: Die arbeitende Generation sorgt sowohl für den Nachwuchs als auch für die Alten. Innerhalb dieses Systems waren es vor allem zwei Dinge, die die Existenz im Alter sicherten: möglichst viele Kinder zu haben und neben dem Wohnhaus ein eigenes Geschäft bzw. Stück Land zu besitzen, das die Familie ernähren konnte. Bankkonten und angespartes Geldvermögen spielten damals nur für einen verhältnismäßig kleinen Teil der Bevölkerung eine Rolle.

Als jedoch im 19. Jahrhundert die Industrialisierung kam, wurden die Menschen mobiler, weil sie zum Arbeiten in die Städte gingen. Gleichzeitig verarmten große Teile der Bevölkerung, so dass die Versorgung durch die Familie in vielen Fällen nicht mehr gesichert war. Somit ist es nicht verwunderlich, dass sich gerade zu dieser Zeit die betriebliche Altersvorsorge weit verbreitete und 1889 unter Bismarck eine gesetzliche Rentenversicherung eingeführt wurde.

In den 1950er Jahren wurde das Verfahren der gesetzlichen Rentenversicherung umgestellt. Weil die Kapitaldeckung, bei der für jeden einzelnen Versicherungsnehmer ein Rentenvermögen angespart wird, nicht mehr praktikabel war, findet seitdem das Umlageverfahren statt. Dabei werden aus den eingezahlten Beiträgen der Rentenanwärter unmittelbar die Leistungen an die Rentenempfänger ausgezahlt. Rücklagen können bei dieser Methode nur sehr begrenzt gebildet werden.

Dieser Umstand und die demografischen Entwicklungen in Deutschland haben spätestens ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem massiven Umdenken geführt. Während ein Jahrhundert lang die private Altersvorsorge etwas aus dem Fokus herausgerückt war – mit Ausnahme der Lebensversicherung, die jedoch in erster Linie dem Hinterbliebenenschutz galt – wurde nun sehr deutlich, dass die Versorgung durch die gesetzlichen Leistungsträger zwangsläufig zu erheblichen Lücken führen wird.

Folglich wurden die auch die anderen Elemente des Rentensystems kontinuierlich ausgebaut und gestärkt. Die gesetzlichen Regelungen zur betrieblichen Altersvorsorge wurden zum Beginn des 21. Jahrhunderts nochmals überarbeitet, die staatlichen Sonderformen der Privatrente eingeführt. Aber auch der dritten Schicht, also den Kapitalanlageprodukten wie der privaten Rentenversicherung, fällt im Zuge dieser Entwicklungen eine wichtig Rolle zu. Sie ist aufgrund des unkomplizierten Zugangs ohne besondere Bedingungen oder Gesundheitsfragen ohne Einschränkungen für alle Menschen geeignet, egal ob sie berufstätig sind oder nicht und unabhängig davon, ob sie auch andere Formen der Altersvorsorge nutzen oder nur die dritte Schicht.

Für diese Personengruppen ist die private Rentenversicherung besonders wichtig

Die private Rentenversicherung ist für alle zugänglich, weil der Abschluss an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Zudem ist sie sehr flexibel in der Ausgestaltung, was sich unter anderem darin zeigt, dass je nach der aktuellen Lebenssituation die Beiträge angepasst werden können. Überdies findet vor dem Abschluss einer privaten Rentenversicherung keine Gesundheitsprüfung statt, denn aus Sicht des Versicherungsunternehmens stellt ein schlechter Gesundheitszustand des Versicherten kein Risiko dar, im Gegenteil: Verstirbt ein Mensch früher, als es die Statistik erwarten lassen würde, dann ist dies für den Versicherer ein wirtschaftlicher Vorteil – zumindest, wenn keine Vereinbarungen zum Hinterbliebenenschutz getroffen worden sind. Denn im Normalfall verbleiben die überschüssig eingezahlten Beiträge beim Unternehmen.

Dennoch gibt es Personengruppen, die in besonderer Weise von der privaten Rentenversicherung profitieren. Dies sind vor allem

  • Menschen, die nicht zur Zahlung der Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung verpflichtet und somit auch nicht leistungsberechtigt sind (Selbstständige, Spitzenverdiener) sowie
  • Menschen, die keinen Zugang zu einer betrieblichen Altersvorsorge haben (Freiberufler, Selbstständige).

Dabei ist es auch sehr oft der Fall, dass beides auf einmal zutrifft.

Aber auch die beiden staatlich geförderten Rentenvarianten der Riester- und Rürup-Rente können unter Umständen nicht in Anspruch genommen werden, obwohl der Betreffende grundsätzlich Zugang zu einer der beiden Formen hat. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn jemand

  • vorhat, im Alter seinen Wohnsitz ins Ausland zu verlegen (denn in diesem Falle muss die Riester-Förderung zurückgezahlt werden)
  • einen Rentenvertrag möchte, bei dem die Möglichkeit zur Kündigung besteht (was bei der Rürup-Rente unmöglich ist)
  • bei seiner Altersvorsorge Wert auf das Kapitalwahlrecht legt, das heißt die Möglichkeit einer Auszahlung des vereinbarten Rentenbetrages in einer Summe (was bei den beiden staatlich geförderten Varianten der privaten Rentenversicherung nicht bzw. nur teilweise gegeben ist)
  • ein relativ niedriges steuerpflichtiges Einkommen hat und deswegen von der sehr günstigen Besteuerung der Altersrente zum Ertragsanteil mehr profitieren würde als von den Möglichkeiten des Sonderausgabenabzugs.