Wer kann überhaupt betrieblich vorsorgen?

Die Frage, für wen die betriebliche Altersvorsorge sinnvoll ist, ist leicht zu beantworten: für absolut jeden, der einen Zugang dazu hat!

Dies sind nicht alle Personenkreise. Die Selbstständigen und Freiberufler beispielsweise können selbstverständlich nicht von den Vorzügen einer betrieblichen Altersvorsorge profitieren, da sie ja keinen Arbeitgeber haben. Ähnliches gilt für Menschen, die gar nicht arbeiten (können). Mit dem fehlenden Arbeitsverhältnis fehlt auch die Voraussetzung für den Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge. Allerdings gibt es für diese Personengruppen unabhängig von der gesetzlichen Rentenversicherung auch noch andere Möglichkeiten, sich für das Alter finanziell abzusichern, zum Beispiel:

  • die private Rentenversicherung
  • die Riester-Rente (v.a. für Empfänger bestimmter staatlicher Leistungen wie ALG I und II oder Erziehungsgeld, für vollständig erwerbsunfähige Menschen sowie für versicherungspflichtige Handwerker und Freiberufler)
  • die Rürup-Rente (v.a. für Selbstständige und Freiberufler ohne Versicherungspflicht)
  • die Kapitallebensversicherung (grundsätzlich für jeden geeignet)

Minijobber wiederum können auch von einer Betriebsrente profitieren. Dasselbe gilt ebenfalls für mitarbeitende Familienangehörige, sofern für sie ein steuerlich anerkanntes Arbeitsverhältnis nachweisbar ist und

  • eindeutige vertragliche Absprachen getroffen worden sind, die auch eingehalten werden
  • bei Ehepaaren eine gesetzliche Gütertrennung oder eine Zugewinngemeinschaft vereinbart worden ist
  • das Gehalt auch im Außenvergleich angemessen erscheint.

Die betriebliche Altersvorsorge eignet sich somit für:

  • sozialversicherungspflichtig angestellte Arbeitnehmer
  • mitarbeitende Familienangehörige
  • Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der BBG
  • Auszubildende
  • Minijobber und Midijobber
  • Gesellschafter-Geschäftsführer in GmbHs
  • Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder in Aktiengesellschaften

Allerdings sind nicht alle fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge für alle Personengruppen gleichermaßen geeignet. In bestimmten Fällen und Konstellationen kommen sogar nur ein oder zwei Möglichkeiten in Frage. Auf zwei dieser Sonderfälle soll im Folgenden näher eingegangen werden: die Gesellschafter-Geschäftsführer in GmbHs sowie Angestellte in einem zweiten Dienstverhältnis.

Betriebliche Altersvorsorge: der Sonderfall Gesellschafter-Geschäftsführer

Da Gesellschafter-Geschäftsführer in der Regel über ein sehr hohes Einkommen verfügen, haben sie auch Interesse an einer betrieblichen Altersvorsorge in angemessener Höhe. Schließlich die Altersrente es ihnen ermöglichen, den gewohnten Lebensstil in etwa beizubehalten.

Bei näherer Betrachtung der fünf Durchführungswege wird schnell klar, dass aus steuerlicher Sicht nur zwei von ihnen für die betriebliche Altersvorsorge von Gesellschafter-Geschäftsführern sinnvoll erscheinen: die Unterstützungskasse und die Pensionszusage. Bei allen anderen Durchführungswegen ist die Höhe des steuerfreien Anteils bei den eingezahlten Beiträgen zu stark begrenzt, um den Ansprüchen eines überdurchschnittlich gut verdienenden Rentenanwärters gerecht zu werden.

Obwohl sowohl die Unterstützungskasse als auch die Pensionszusage für die Versorgung von Gesellschafter-Geschäftsführern geeignet sind, wird in der unternehmerischen Praxis in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle die Pensionszusage gewählt: Sie bietet noch mehr Freiheiten bei der Ausgestaltung, wirkt sich aufgrund der obligatorisch zu bildenden innerbetrieblichen Rückstellungen steuermindernd aus und vermeidet den Verwaltungsaufwand, der mit einem externen Versorgungsträger einhergeht. Allerdings gilt es bei der Ausgestaltung einer Pensionszusage für Gesellschafter-Geschäftsführer einige wichtige Punkte zu beachten.

Gesellschafter-Geschäftsführer haben in GmbHs eine ganz besondere Position inne. Sie sind zum einen in ihrer Funktion als Geschäftsführer Angestellte des Unternehmens mit einem entsprechenden Arbeitsvertrag. Gleichzeitig gehören ihnen aber auch Teile der GmbH, sodass sie ganz unmittelbar am wirtschaftlichen Gewinn oder Verlust derselben beteiligt sind.

Problematisch wird dies aus Sicht der Finanzbehörden immer dann, wenn es um den Umgang des Unternehmens mit den erwirtschafteten Gewinnen geht. Diese sind normalerweise zu versteuern, und das nicht zu knapp. Jegliche Aktivität, die eine Gewinnminderung nach sich zieht, ist deswegen aus steuerlicher Sicht von Vorteil für das Unternehmen. Deswegen entsteht beim Finanzamt vor allem im Zusammenhang mit den Gesellschafter-Geschäftsführern relativ leicht der Verdacht auf eine sogenannte verdeckte Gewinnausschüttung.

Die Einzahlung von Beiträgen in die betriebliche Altersvorsorge des Gesellschafter-Geschäftsführers wäre theoretisch eine Möglichkeit einer solchen verdeckten Gewinnausschüttung: Die Beiträge an die Unterstützungskasse werden in voller Höhe als Betriebsausgaben anerkannt, die innerbetrieblichen Rückstellungen der Pensionszusage schmälern das Betriebsergebnis. Deshalb gelten für die Altersversorgung der Gesellschafter-Geschäftsführer besonders strenge Regulierungen:

  1. Erdienbarkeit: Ein Gesellschafter-Geschäftsführer muss sich den Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge erst verdienen. Hier gilt eine Frist von zehn Jahren, die zwischen dem Zeitpunkt der Zusage und dem Beginn der Leistungsauszahlung liegen müssen.
  2. Probezeit: Bevor gegenüber einem Gesellschafter-Geschäftsführer eine Versorgungszusage gemacht werden darf, muss er bereits fünf (bei neu gegründeten GmbHs) oder zwei (bei schon länger bestehenden GmbHs) Jahre im Unternehmen tätig gewesen sein. Alles in allem müssen also zwischen dem Eintritt ins Unternehmen und dem Beginn der Leistungsauszahlung je nach der Sachlage mindestens 12 oder 15 Jahre vergehen.
  3. Angemessenheit der Zusage: Der dritte wichtige Punkt bei der betrieblichen Altersvorsorge für Gesellschafter-Geschäftsführer ist, dass die Versorgungszusage der Höhe nach angemessen ist. Dies gilt als gegeben, wenn die zugesagte Rentenhöhe 75% des letzten Bruttoeinkommens nicht übersteigt und wenn die Versorgungsinhalte allgemein üblich erscheinen. Hierüber entscheidet gegebenenfalls das Finanzamt.

Betriebliche Altersvorsorge: der Sonderfall zweites Dienstverhältnis

Eine weitere Besonderheit bei der betrieblichen Altersvorsorge ist das Vorliegen zweier Dienstverhältnisse. Immer mehr Menschen üben zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes zwei Jobs aus, wobei der zweite oftmals ein sogenannter Minijob mit einem Einkommen bis zu 450 Euro ist. Wie verhält es sich jedoch in diesem Falle mit der Betriebsrente?

Für das zweite Dienstverhältnis kommen – ähnlich wie bei der Gesellschafter-Geschäftsführer-Versorgung – nur die beiden Durchführungswege Unterstützungskasse und Pensionszusage in Frage. Ansonsten gelten jedoch genau dieselben Bedingungen wie beim ersten Dienstverhältnis, das heißt in diesem Falle: steuerfreie Beitragszahlungen in unbegrenzter Höhe. Falls es sich beim zweiten Arbeitsverhältnis um einen Minijob handelt, wird in aller Regel eine Unterstützungskasse zur Durchführung der betrieblichen Altersvorsorge genutzt. Es gilt außerdem:

  • Die vom Arbeitgeber geleisteten Beiträge müssen angemessen sein, das heißt, sie dürfen maximal 75% des Arbeitseinkommens erreichen.
  • Das Einkommen des Minijobbers wird durch die Zuwendungen des Arbeitgebers nicht erhöht – er kommt also dadurch nicht in die Gleitzone.