Die betriebliche Altersvorsorge im deutschen Rentensystem

So funktioniert die Direktversicherung im Rahmen der betrieblichen AltersvorsorgeDie betriebliche Altersvorsorge ist ein System, das für die finanzielle Versorgung von Arbeitnehmern im Rentenalter geschaffen wurde. Bei der Mehrzahl der Rentenanwärter handelt es sich um Personen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und demzufolge auch einen Anspruch auf die gesetzliche Rente haben. Da sich jedoch immer deutlicher abzeichnet, dass die demografische Entwicklung in Deutschland mittelfristig zu erheblichen Versorgungslücken im Bereich der staatlichen Renten führen wird, setzen die Menschen verstärkt auch auf zusätzliche Möglichkeiten zur finanziellen Absicherung im Alter.

Heute besteht das deutsche Rentensystem aus drei Schichten, man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Drei-Schichten-Modell der Altersvorsorge. Die Bestandteile dieses Systems sind:

  • Basisversorgung
  • Zusatzversorgung
  • Kapitalanlageprodukte

Zur Basisversorgung zählen die gesetzliche Rente und die Rürup-Rente; zur Zusatzversorgung die betriebliche Altersvorsorge und die Riester-Rente; zu den Kapitalanlageprodukten die privaten ungeförderten Vorsorgeprodukte wie die Privatrente und die Kapitallebensversicherung.

Grundsätzlich lassen sich die drei Schichten miteinander kombinieren, und es gibt tatsächlich Menschen, die auf solch eine dreifache Vorsorge setzen (zum Beispiel gesetzliche Rente, Betriebsrente und Lebensversicherung). Allerdings ist es so, dass nicht jeder Mensch Anspruch auf alle drei Arten der Altersvorsorge hat. So ist die zweite Schicht (Zusatzversorgung) allein den gesetzlich Versicherten vorbehalten: als betriebliche Altersvorsorge nur den Arbeitnehmern (bei der Einhaltung bestimmter Bedingungen auch mitarbeitende Familienangehörige) und Gesellschafter-Geschäftsführern, als Riester-Rente auch den pflichtversicherten Selbstständigen und den Empfängern bestimmter sozialer Leistungen.

Zur Geschichte der betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit, im Gegenteil: Ihre Wurzeln reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, genauer gesagt bis in das Jahr 1260. Schon zu dieser Zeit gab es in Goslar eine Bergbaubruderschaft, die sich nicht nur um eine sozialverträgliche Zusammenarbeit bemühte, sondern auch ausgeschiedene Bergleute und Hinterbliebene versorgte. Im späteren Mittelalter setzte sich im Bergbau der sogenannte Büchsenpfennig durch, eine regelmäßige Abgabe aller Bergleute, die zur Versorgung kranker und verarmter Kumpel sowie zur Unterstützung der Hinterbliebenen nach einem Unglück diente.

Auch in der Seefahrt gab es bereits im Mittelalter ähnliche Versorgungssysteme in Form von Gilden, Bruderschaften und Compagnien. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum wurden die ersten Seemannskassen gegründet, oftmals mit der Unterstützung der Reedereien. Wenn ein Seemann nicht mehr seetauglich war, bekam er eine Art Rente aus der Kasse, und den Hinterbliebenen verstorbener Seeleute wurde ebenfalls eine finanzielle Entschädigung gezahlt. Dieselbe Funktion hatten auch die etwa zur selben Zeit ins Leben gerufenen Pensionskassen für Eisenbahner: Sie dienten als Versorgungssystem, das bei Alter, Krankheit und Invalidität der Bahnangestellten einsprang und gelten als Beginn des heutigen Sozialversicherungssystems.

Die ersten Industrie-Unternehmen, die sich um die Versorgung ihrer Arbeiter und Angestellten bei Krankheit, Alter, Invalidität und Tod kümmerten, waren im 19. Jahrhundert die Gutehoffnungshütte (1832), Krupp und Henschel (1858), Siemens (1871) und BASF (1879). Erst 1889 wurde auch das gesetzliche Rentensystem eingeführt.

Die gesetzliche Fixierung der betrieblichen Altersvorsorge: das BetrAVG

Im Jahr 1974 wurde in der damaligen Bundesrepublik Deutschland die betriebliche Altersvorsorge gesetzlich geregelt. Das „Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung“ (BetrAVG) reguliert seither alle wesentlichen Aspekte der Betriebsrente, vor allem im Hinblick auf die Rechte der Arbeitnehmer:

  • zulässige Durchführungswege
  • Schutz der Betriebsrente bei Insolvenz des Unternehmens
  • Unverfallbarkeit von Ansprüchen auf eine betriebliche Altersvorsorge
  • Möglichkeiten beim Ausscheiden aus dem Unternehmen (Übertragung, Abfindung)

Auch die steuerliche Behandlung der Beitragsein- und Rentenauszahlungen wird durch das BetrAVG geregelt.

Um die Quote für die betriebliche Altersvorsorge zu erhöhen, die bis zur Jahrtausendwende zum überwiegenden Teil in den großen Unternehmen zu finden war, wurde 2002 eine weitere Neuerung eingeführt: Seit diesem Zeitpunkt hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf eine Entgeltumwandlung. Das bedeutet, dass ein Arbeitgeber seinen Angestellten die Möglichkeit zu einer betrieblichen Altersvorsorge einräumen muss, sobald diese das verlangen. Dieses Recht gilt jedoch nicht für Beamte.

Die allgemeinen Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge

Obwohl es verschiedene Arten – in der Fachsprache als Durchführungswege bezeichnet – der betrieblichen Altersvorsorge gibt, lassen sich die Leistungen verallgemeinernd wie folgt beschreiben:

Die betriebliche Altersvorsorge leistet zunächst einmal dann, wenn der versicherte Arbeitnehmer das vereinbarte Rentenalter erreicht hat. Die Versicherungsleistung besteht in der Zahlung einer ebenfalls vorher genau vereinbarten Summe. Diese kann entweder als Einmalbetrag oder als monatliche Rente ausgezahlt werden.

Neben der Altersrente können im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge auch bestimmte zusätzliche Leistungen vereinbart werden. Diese betreffen hauptsächlich

  • die finanzielle Absicherung des versicherten Arbeitnehmers im Falle seiner Invalidität sowie
  • die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen des versicherten Arbeitnehmers im Falle seines vorzeitigen Ablebens.

Wie sich die Vereinbarung dieser zusätzlichen Leistungen konkret gestalten lässt, hängt nicht zuletzt auch vom gewählten Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge ab.

Die fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge

Das „Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung“ sieht insgesamt fünf Durchführungswege für die betriebliche Altersvorsorge vor:

  • Direktversicherung
  • Unterstützungskasse
  • Pensionsfonds
  • Pensionskasse
  • Pensionszusage

Bei den ersten vier Varianten handelt es sich um externe Durchführungswege. Das bedeutet, dass die Erfüllung der gegenüber dem Arbeitnehmer gegebenen Pensionszusage durch einen externen Versicherungsträger erfolgt. Der einzige interne Durchführungsweg ist die Pensionszusage. Hier ist der Arbeitgeber selbst für die Leistungserfüllung verantwortlich. Zu diesem Zweck ist er dazu verpflichtet, innerbetriebliche Rücklagen zu bilden.

Die Direktversicherung ist der unkomplizierteste Weg der betrieblichen Altersvorsorge. Dabei schließt der Arbeitgeber eine Lebensversicherung auf das Leben des Arbeitnehmers ab. Die Leistungen, die nach dem Erreichen des Rentenalters ausgezahlt werden, erhält der Arbeitnehmer direkt.

Bei der Unterstützungskasse handelt es sich um ein rechtlich und wirtschaftlich selbstständiges Rechtsobjekt, das die Erfüllung der Versorgungszusage des Arbeitgebers übernimmt. Sie kann in Form einer GmbH, eines eingetragenen Vereins oder einer Stiftung bestehen. Die Zahlung der Beiträge erfolgt an die Unterstützungskasse. Nach dem Eintreten des Leistungsfalles zahlt die Unterstützungskasse die vereinbarten Leistungen aus. Häufig wird zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit der Unterstützungskasse eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen. In diesem Falle spricht man von einer rückgedeckten Unterstützungskasse.

Auch der Pensionsfonds ist ein rechtlich selbstständiger Versorgungsträger. Er kann entweder von einem oder auch von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig genutzt werden, um die Versorgungszusagen an die Arbeitnehmer zu erfüllen. Das eingezahlte Kapital kann hierbei sehr frei im Markt angelegt werden. Meistens beinhaltet die Durchführung der betrieblichen Altersvorsorge mithilfe eines Pensionsfonds eine garantierte Mindestleistung, für die der Arbeitgeber auch dann haften muss, wenn der Fonds sie nicht erbringen kann. Der Vorteil dieser Variante ist die Möglichkeit, an den Renditeentwicklungen des freien Kapitalmarktes direkt teilzuhaben. In jüngerer Zeit ist ein Trend hin zu ökologisch nachhaltigen Pensionsfonds zu beobachten, die für die betreffenden Unternehmen positive Synergieeffekte aus betrieblicher Altersvorsorge, ökologischem Handeln und Imagepflege bewirken.

Pensionskassen bestehen entweder in Form eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit oder eines eingetragenen Vereins. Auch hier handelt es sich um externe Versorgungsträger, die die eingezahlten Beiträge verwalten und später die anfallenden Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge auszahlen. In der Praxis spielen die Pensionskassen heutzutage jedoch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Pensionszusage schließlich weist als einziger interner Durchführungsweg einige Besonderheiten auf. Das Unternehmen verpflichtet sich hierbei, dem Arbeitnehmer aus eigenen Mitteln eine Betriebsrente zu zahlen. Hierzu ist es verpflichtet, interne Rücklagen zu bilden, die sogenannten Pensionsrückstellungen. Weil es sich hierbei um langfristige Verbindlichkeiten gegenüber dem Arbeitnehmer handelt, müssen diese Rückstellungen nach dem HGB in der Bilanz auf der Passiva-Seite als Fremdkapital aufgeführt werden. Dies hat zwar einerseits eine steuervergünstigende (weil gewinnmindernde) Auswirkung, kann jedoch andererseits zu einer Abwertung des Unternehmens durch die Rating-Agenturen führen. Zur Absicherung der Pensionszusage wird häufig – genau wie bei anderen Durchführungswegen der betrieblichen Altersvorsorge auch – eine Rückdeckungsversicherung abgeschlossen. Allerdings verbleibt die Verpflichtung zur Erfüllung der Zusage dennoch beim Unternehmen.

Allen Durchführungswegen gemeinsam ist der Umstand, dass die Beiträge entweder vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer oder von beiden zusammen eingezahlt werden können. Erfolgt die Einzahlung ganz oder teilweise durch den Arbeitnehmer, so geschieht dies in Form einer Entgeltumwandlung: Teile des Bruttoeinkommens werden direkt der betrieblichen Altersvorsorge zugeführt. Dadurch wird das Bruttogehalt verringert, was wiederum zu geringeren Steuern und Sozialabgaben führt – und zwar sowohl für dem Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber. Deswegen ist die Minderung des Nettoeinkommens bei der betrieblichen Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung immer kleiner als der Betrag, der der Betriebsrente zugeführt wird.

Die betriebliche Altersvorsorge bietet aber auch unabhängig von der Entgeltumwandlung deutliche Vorteile, weil sie vom Staat auf verschiedene Weise steuerlich begünstigt wird. Wie sich dies genau gestaltet, hängt vom jeweiligen Durchführungsweg ab:

Direktversicherung und Pensionskasse:

  • Beiträge des Arbeitgebers sind steuerfrei bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung, plus weitere 1800 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr
  • dasselbe gilt für das umgewandelte Entgelt des Arbeitnehmers

Unterstützungskasse und Pensionszusage:

  • Beiträge des Arbeitgebers sind als Betriebsausgaben voll abzugsfähig
  • umgewandeltes Entgelt des Arbeitnehmers bleibt komplett unversteuert

Pensionsfonds:

  • Beiträge des Arbeitgebers können als Betriebsausgaben voll abgesetzt werden
  • für die Einzahlungen aus dem umgewandelten Entgelt des Arbeitnehmers gelten Steuerfreibeträge in Höhe von 4% der Beitragsbemessungsgrenze

Hinzu kommen bei allen Durchführungswegen die bereits beschriebenen Vorteile der Entgeltumwandlung, die in einer deutlichen Senkung der Lohnnebenkosten für beide Seiten bestehen. Die nachgelagerte Besteuerung der Rentenleistungen bei der betrieblichen Altersvorsorge ist ebenfalls positiv zu bewerten, weil im Allgemeinen für die Zukunft ein niedrigerer Steuersatz angenommen werden kann.